Warum es egal ist, für was du dich entscheidest 

Schluss mit dem Druck 

Für den Suchbegriff „Richtige Entscheidung“ gibt es bei Amazon über 21'000 Ergebnisse, also sehr viele Ratgeber und andere Bücher zur Selbsthilfe. „Die richtige“ Entscheidung ist also offenbar sehr wichtig, geradezu alles entscheidend. Ich sehe das anders. 

 

Wie ... warum ist die „richtige“ Entscheidung nicht wichtig, werdet ihr jetzt sicher fragen, oder? Es gibt 1001 Ratgeber zum Thema und dann ist etwas anderes entscheidend? Ja. Denn ich sehe das so: Die Suche nach der richtigen Entscheidung ist ungesunder Perfektionismus. Warum? 

 

„Die richtige“ Entscheidung treffen zu müssen setzt viele Menschen enorm unter Druck. Die richtige ist hier gleichbedeutend mit der perfekten Entscheidung. Es reicht nicht, eine Entscheidung treffen zu wollen, die sich im Augenblick gut und richtig anfühlt – nein, es muss die eine einzig richtige sein.  

 

Eine Coaching-Klientin von mir schilderte folgendes Problem: 

„Zum wiederholten Mal hab ich eigentlich beschlossen, dass ich mit einem bestimmten Kollegen nicht mehr zusammenarbeiten kann. Diesmal hab ich mir geschworen, hart zu bleiben und hab mit unserem Chef gesprochen. Er hat dann wieder ein Dreiergespräch mit uns beiden geführt und hat mir viele Argumente gebracht, warum die Zusammenarbeit zwischen uns so wichtig sei. Und aus Angst, dass ich mich falsch entscheide, bin ich wieder schwach geworden … und fühle mich absolut mies damit. Aber was ist denn die richtige Entscheidung, woran merke ich das?“ 

 

Das Fatale ist: Aus Angst, nicht die richtige Entscheidung treffen zu können, treffen dann viele Menschen gar keine Entscheidung und warten lieber erstmal ab. Vielleicht fallen ja noch gute Entscheidungshilfen vom Himmel, vielleicht wach ich ja am nächsten Morgen auf und habe plötzlich Klarheit. Dann sitzen wir fest in einer Starre, wie ein zu Tode erschrockenes Kaninchen. Nichts geht vorwärts.

 

Kaninchen-vor-der-Schlange-Starre 

Diese Menschen sind dann stark verunsichert, gelähmt und handlungsunfähig – das Selbstbewusstsein ist im Keller. Und dadurch wird das Ganze auch nicht besser – ein Teufelskreis. Aber lieber erstmal noch warten. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann warten wir noch heute. Das Problem ist ja: Wer bestimmt, wann eine Entscheidung „die richtige“ ist? Wer setzt den Maßstab, wo finden wir die Kriterien dafür? Und wann wissen wir, wann genügend Kriterien und Argumente für eine Entscheidung vorhanden sind? Fragen, auf die wir keine Antwort finden werden.  

 

Jede Entscheidung hat ihren Preis! 

Wir wollen auch deshalb die richtige Entscheidung treffen, weil wir meinen, dafür dann keinen Preis zahlen zu müssen. Wenn ich richtig entscheide, komm ich heile aus der Nummer raus. Das ist Quatsch! Wir zahlen jedes Mal einen Preis, für welche Entscheidung auch immer! Wenn ich mich dafür entscheide, Sushi essen zu gehen, kann ich keine Pizza bekommen. Wenn ich mich dafür entscheide, zur Netzwerkveranstaltung zu gehen, kann ich nicht gleichzeitig entspannt auf dem Sofa liegen. Wir zahlen immer einen Preis, so ist das Leben. Und das ist ja auch nicht so schlimm! 

 

Es geht vor allem darum herauszufinden, welchen Preis ich bereit bin zu zahlen, mit welchen Konsequenzen ich leben kann. Und manchmal reicht es für eine gute Entscheidung, wenn Sie zu 55 oder 60% für den einen Preis bereit sind. Viel schlimmer, als „die falsche“ Entscheidung zu treffen, ist es, gar keine zu treffen und in dieser unproduktiven, beängstigenden Schockstarre zu verweilen.

Es gibt keine falschen Entscheidungen! 

 

Falsche Entscheidungen gibt es nicht: Du triffst die einzige Entscheidung, die du in der jeweiligen Situation nach bestem Gewissen, bei genauem Abwägen und Nachdenken unter Einbeziehung aller Faktoren treffen kannst. Und das ist dann zu diesem Zeitpunkt eben einfach die richtige Entscheidung. Ein paar Tage vorher oder nachher würdest du vielleicht anders entscheiden. Und vergiss bitte eines nicht: Keine Entscheidung ist wirklich in Stein gemeißelt. Wenn du merkst, es war der falsche Weg, entscheiden dich neu!  

Lassen deinen Kopf und Bauch mitentscheiden! 

 

Die üblichen Pro-und-Contra-Listen für Entscheidungen tun uns meistens nicht den Gefallen, eindeutig genug zu sein. Außerdem sind sie ziemliche Kopfkonstrukte. Also bezieh mehr deinen Bauch mit ein und hör auf deine Intuition. Bei welcher Alternative grummelt der Bauch weniger, welche fühlt sich besser an, bei welchem zu zahlenden Preis bleibst du ruhig und kraftvoll, bei welchem Preis bekommst du es mit der Angst zu tun? Und bevor du dich endgültig verläufst im Dschungel der 1001 Alternativen – holen dir dein Unterbewusstsein zur Hilfe und programmiere es mit einer Deadline: „Bis übermorgen, 12 Uhr mittags, habe ich mich entschieden! Und zu dieser Entscheidung werde ich ohne wenn-und-aber stehen.“ 

 

Dann wird dir dein Unterbewusstsein nämlich tatkräftig zur Seite stehen, solange es keinen Termin bekommt, wartet es erstmal entspannt ab. Mit einer Deadline aber fängt das Unterbewusstsein an darauf hinzuarbeiten, dass bis übermorgen Mittag alles beisammen ist, was für die Entscheidung wichtig ist. Triff sie also: die für dich persönlich zu diesem Zeitpunkt richtige Entscheidung, nicht DIE richtige! Es gibt kein richtig oder falsch, kein schwarz oder weiß in dieser Hinsicht. Finde die die vielen bunten Facetten dazwischen, die auch noch möglich sind. Du selbst und niemand anderes ist der Maßstab. Lass dich bitte dabei möglichst wenig verunsichern und bleib dir treu. Du wägst ab, du gibst dir Bedenkzeit, du entscheidest und du trägst die Konsequenzen.

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