Mut für Jobwechsel: Checken Sie Ihre Chancen und Risiken

Mut für Jobwechsel: Checken Sie Ihre Chancen und Risiken

Sie treten schon länger auf der Stelle und ein Aufstieg ist nicht in Sicht? Ihr Engagement wird nicht mehr genügend wahrgenommen und honoriert? Oder ist die Zeit einfach reif für eine neue Herausforderung?

  1. Job auf der Waagschale
  2. Klare Perspektiven entwickeln
  3. Fit für den Wechsel
  4. Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser
  5. Sprungbrett nutzen


Was immer der Grund sein sollte: Ein Jobwechsel - ob in eine andere Abteilung, eine neue Firma oder sogar ein fremdes Berufsfeld - gehört längst zur normalen Arbeitsvita. In einer Mobilitätsstudie gehen über 70 Prozent der befragten Personaler davon aus, dass heutige Berufseinsteiger im Laufe ihrer Karriere fünf bis zehn Mal ihren Job wechseln. Wer allzu lange in einer Position ausharrt, gilt bisweilen sogar als unflexibel und eingerostet.

Aufgrund der angespannten Lage am Arbeitsmarkt sind so genannte Jobhopper selten geworden. Aber auch sie waren und sind bei Personalern nicht sonderlich beliebt. Besonders häufige Arbeitsplatzwechsel werden als Unzuverlässigkeit und mangelndes Durchhaltevermögen gedeutet. Nicht immer zu Unrecht, denn wer bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz sofort die Segel streicht, wird auch im neuen Job schnell an seine Grenzen stossen.

 

1. Ihr Job auf der Waagschale

Generell gilt, vor einem Jobwechsel das Für und Wider genau abzuwägen. Nehmen Sie sich Zeit für eine Analyse Ihrer Ausgangsposition und Veränderungsmöglichkeiten. Was genau macht Sie unzufrieden mit Ihrer derzeitigen Position? Die Beantwortung folgender Fragen kann bei der Klärung helfen:

  • Sind Sie zufrieden mit Ihrem Tätigkeitsfeld?
  • Werden Sie genügend gefordert und gefördert?
  • Wie steht es um die inner- und ausserbetriebliche Weiterbildung?
  • Gibt es in Ihrer Position Aufstiegschancen?
  • Ist Ihr Gehalt zufrieden stellend? Werden besondere Leistungen honoriert?
  • Fühlen Sie sich im Unternehmen und unter den Kollegen wohl?
  • Wie sicher ist Ihr Arbeitsplatz?
  • Wie stabil positioniert sich Ihr Arbeitgeber am Markt?

Auch wenn Sie die meisten Fragen negativ beantworten, ist dies noch kein klares Signal für einen Jobwechsel. Fühlen Sie sich nicht angemessen bezahlt, dann sollten Sie Ihre diesbezüglichen Argumente sammeln und in einem gut vorbereiteten Gespräch nach einer Gehaltserhöhung fragen. Sprechen Sie auch Störfaktoren wie mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten und fehlende Aufstiegschancen, Konflikte im Team oder persönliche Überforderung an. Werden Problematiken sachgerecht und überzeugend kommuniziert, kann sich die Situation am bisherigen Arbeitsplatz oftmals entscheidend verbessern - und der Jobwechsel erscheint bald überflüssig.

 

2. Klare Perspektiven entwickeln

Kommen Sie hingegen zu dem Schluss, dass eine interne Veränderung in Ihrer Abteilung nicht machbar ist, oder gar die Zukunftsperspektiven Ihrer Firma düster erscheinen, dann sollten Sie sich nicht vor dem Jobwechsel scheuen. Gehen Sie hierbei strategisch vor. Skizzieren Sie möglichst präzise, was Sie von Ihrem neuen Job erwarten.

  • Wo möchten Sie in einem, fünf oder zehn Jahren beruflich stehen?
  • Welche Arbeitsbereiche und Unternehmen passen zu ihrem Profil?
  • An welchen Aufgaben und Tätigkeiten haben Sie besonderes Interesse?
  • In welchen Hierarchiestrukturen fühlen Sie sich am wohlsten?
  • Möchten Sie eher weniger oder mehr Verantwortung als in Ihrer bisherigen Position übernehmen?
  • Wären Sie bereit zu einem Wohnortwechsel oder ein Pendlerleben in Kauf zu nehmen?

In dieser Phase kann eine individuelle Karriere- oder Orientierungsberatung von grossem Nutzen sein. Mit Hilfe von Experten fällt es leichter, das Profil der angestrebten Tätigkeit zu schärfen und mit Ihren persönlichen Präferenzen in Einklang zu bringen.

 

3. Fit für den Wechsel

Sobald die Eckdaten Ihres "Traumjobs" feststehen, recherchieren Sie in der Fach- und Tagespresse, im Internet und im Bekanntenkreis. Wer bietet den Job an, den Sie suchen? Falls Sie in einem grösseren Unternehmen tätig sind, werden Sie vielleicht sogar in einer anderen Abteilung oder Filiale auf eine entsprechende Stellenausschreibung stossen. Achten Sie aber darauf, dass Ihre Vorbereitungen zunächst in "aller Stille" passieren. Voreilige Ankündigungen am gegenwärtigen Arbeitsplatz sind kontraproduktiv. Stattdessen können Sie sich in ungekündigter Stellung gezielt auf den neuen Lebensabschnitt vorbereiten. Beispielsweise besuchen Sie noch eine interne Fortbildung oder nehmen in Ihrer Freizeit an einem Kommunikationstraining oder Coaching teil. Nutzen Sie die "Schlussphase" in Ihrem alten Job, um Defizite abzubauen, die Ihnen auch am nächsten Arbeitsplatz hinderlich wären. Bedenken Sie: Aktuelle Belege für Ihr Engagement und Ihren Willen zur persönlichen Weiterbildung machen sich gut in den Bewerbungsunterlagen.

 

4. Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser

Nachdem Sie selbst fit für den neuen Job sind, sollten Sie Ihre potenziellen Arbeitgeber genauer unter die Lupe nehmen. Beachten Sie bei Ihrer Vorauswahl folgende Aspekte:

  • Gab es in dem Unternehmen häufige Managementwechsel, Veränderungen in der wirtschaftlichen Ausrichtung, Umstrukturierungen, Rationalisierungen etc.?
  • Welche Aufstiegsmöglichkeiten bietet die neue Position und wird sie angemessen honoriert?
  • Wie lautet die Unternehmensphilosophie, wie gestalten sich die innerbetrieblichen Strukturen?
  • Wie sicher erscheint der neue Arbeitsplatz?

Falls Sie keine Stellenausschreibung entdecken, die Ihren Vorstellungen entspricht, kann eine gründliche Recherche auch dabei hilfreich sein, gezielt Initiativbewerbungen an die Personalentscheider der "passenden" Firma zu richten.

 

5. Nutzen Sie Ihr Sprungbrett

In jedem Fall sollten Sie Ihren Vorteil gegenüber anderen Jobaspiranten sorgfältig ausspielen. Im Gegensatz zum Gros Ihrer Mitbewerber können Sie sich in aller Ruhe auf ein neues Tätigkeitsfeld vorbereiten, und es sogar Ihren Neigungen entsprechend aussuchen. Ihre ungekündigte Stellung ist zudem ein wichtiger Faustpfand in allen Bewerbungsphasen: Von der schriftlichen Bewerbung bis zum Vorstellungsgespräch. Bei Ihnen können sich die Personaler sicher sein, dass Sie an der ausgeschriebenen Position starkes Interesse haben und sie gerne ausfüllen. Wenn Sie dann den Vertrag für Ihren Traumjob in der Tasche haben, vergehen sicher auch die letzten Tage in der alten Firma wie im Flug.

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