Darum treibt uns der Akademisierungswahn in den Fachkräftemangel

Für die einen immer noch ein Mythos, für die anderen längst Realität: Ein nicht endender Fachkräftemangel, der laut düsteren Prognosen zufolge bald die gesamte Wirtschaft zum Erliegen bringen soll. Warum das so ist und wie es um deine Chance als qualifizierte Fachkraft steht, verraten wir dir hier.

 

Düstere Prognosen

Geht es nach den Experten, ist der Mangel an Fachkräften in Deutschland so groß wie in keinem anderen europäischen Land. Studien zufolge sollen bis zum Jahr 2030 bundesweit zwischen 3 bis 5 Millionen Fachkräfte fehlen [1,2]. In Österreich hat außerdem bereits jedes zweite Unternehmen damit Probleme, offene Stellen zu besetzen und auch in der Schweiz sollen in den nächsten 10 Jahren bis zu einer halben Million Arbeitskräfte fehlen.


Folge davon sind unter anderem trotz Wirtschaftswachstum große Umsatzeinbußen, die sich beispielsweise für Deutschland in den nächsten Jahrenauf über 525 Milliarden Euro belaufen werden – das sind 14,4 Prozent der heutigen Wirtschaftskraft.

 

Qualifizierte Arbeitnehmer mit dem richtigen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss oder zumindest einem Abitur oder Fachabitur werden derzeit händeringend gesucht. Hauptgrund für diese große Personalnot ist, dass immer mehr Fachkräfte in Rente gehen, während immer weniger junge und entsprechend qualifizierte Leute nachrücken, um die offenen Stellen zu besetzen. Auf diese Situation machen in einigen Fällen sogar schon die Mitarbeiter selbst in ihren Bewertungen auf kununu aufmerksam, wie zum Beispiel bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung oder aber auch bei REWE International.

 

„Wer das Abitur in der Tasche hat, der will keine WCs abmontieren.“

Fakt ist, es gibt hier ein großes Dilemma am Arbeitsmarkt: Denn zum einen werden in den betreffenden Branchen zukünftig immer mehr Arbeitskräfte mit Hochschulabschluss oder zumindest (Fach-)Abitur fehlen, zum anderen gibt es einen Überschuss an Arbeitskräften mit niedrigerem Bildungsabschluss, für die im Zeitalter der Digitalisierung kaum eine der offenen Stellen in Frage kommt.

Das hat vor allem die Ursache darin, dass ein regelrechter Akademisierungswahn Schulabsolventen an Universitäten drängt: Der Ausbildungsberuf scheint unattraktiv, wird er aktuell in der Gesellschaft nur als Plan B nach dem Abitur akzeptiert – die Elite geht schließlich studieren. „Wer den Realschulabschluss gerade so geschafft hat, für den wird es schwer, die Ausbildung zu bestehen. Und wer das Abitur in der Tasche hat, der will keine WCs abmontieren.“, so Projekt- und Bauleiter Lutz Schunke in einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung.[3] Problematisch ist demnach besonders ein unattraktives Image und fehlende Informationen über die jeweiligen Ausbildungsberufe in unterschiedlichen Branchen: Denn dass ein Dachdecker beispielsweise mehr verdienen kann als ein junger Assistenzarzt, wissen nur die wenigsten.

 

Im Gegensatz sind die Aussichten in sozialen Berufen nur allzu gut bekannt und versprechen weniger schöne Zukunftsperspektiven. Das zeigt sich auch am Arbeitsmarkt: Beispielsweise fehlen allein in Deutschland 35.000 Stellen in der Pflege. Mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von unter 30.00 Euro stehen die Gehaltshöhe und die enorme Verantwortung in diesem Job in keinerlei Verhältnis zueinander und es ist klar: Hier muss sich etwas ändern. Zu groß ist die Gefahr, dass durch den demografischen Wandel die Kluft zwischen Fachkräften und pflegebedürftigen Menschen weiter auseinanderdriftet.[5]

Fakt ist, es gibt hier ein großes Dilemma am Arbeitsmarkt: Denn zum einen werden in den betreffenden Branchen zukünftig immer mehr Arbeitskräfte mit Hochschulabschluss oder zumindest (Fach-)Abitur fehlen, zum anderen gibt es einen Überschuss an Arbeitskräften mit niedrigerem Bildungsabschluss, für die im Zeitalter der Digitalisierung kaum eine der offenen Stellen in Frage kommt.

 

In welchen Branchen wird derzeit gesucht?

Gehörst du zu jenen glücklichen, die diese gesuchten Qualifikationen mitbringen, gibt es Grund zur Freude – denn im Bewerbungsprozess wird der Spieß jetzt umgedreht: Arbeitgeber werden um deine seltenen Talente werben und dich mit allen Mitteln zu überzeugen versuchen, dass gerade sie dir deinen absoluten Traumjob bieten können. Das soll sogar so weit gehen, dass die Unternehmen in Zukunft auch mehr Geld in die Hand nehmen werden, um ihre offenen Stellen attraktiverer zu machen: So könnte dein Einkommen deshalb je nach Branche bis zum Jahr 2030 um bis zu 14.000 Euro jährlich ansteigen[2]. Bei deinen zukünftigen Gehaltsverhandlungen hättest du auf jeden Fall sehr viel Luft nach oben.
Klingt verlockend, oder?

 

Wenig überraschend sind die Klassiker auch hier wieder einmal Berufe aus den sogenannten MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.


Die größten Personal-Engpässe gibt es aktuell in der Finanz- und Dienstleistungsbranche sowie in Industrieunternehmen und im Maschinenbau. Aber auch im Gesundheits- und Pflegebereich gibt es eine hohe Nachfrage an qualifiziertem Personal.

 

QUELLE: kununu.com

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