Darum lügt dein Kollege – und so erkennst du es

Wir sind alle Lügner – behauptet zumindest die amerikanische Buchautorin Pamela Meyer. In ihrem TED-Talk verrät sie, warum das so ist und wie wir falsche Behauptungen enttarnen können. 

 

Lügen? Ist von Vorteil. 

Meyer stützt sich bei ihren Überlegungen auf eine Kernthese der Wissenschaft, die besagt, dass Lügen als ein kooperativer Akt zu verstehen ist. Doch was bedeutet das? Flunkereien funktionieren demnach nur, wenn wir uns auch anlügen lassen. Manchmal fällt es uns einfach leichter, an kleine Täuschungen zu glauben, als uns auf die Suche nach der harten Wahrheit zu begeben. Verlorene Mails im Spamordner, erfolglose Telefonanrufe oder sterbende Handy-Akkus: Besonders dann, wenn wir es zuliebe der gesellschaftlichen Würde oder zu Erhaltung sozialer Konstrukte tun. Kleine Bürolügen kennt schliesslich jeder. 

Etwa 10 bis 200 Mal werden wir täglich belogen – selbst wenn viele von diesen Schwindeleien ganz harmlos einzuordnen sind. Auch wenn wir eigentlich gegen bewusst verbreitete Unwahrheiten sind und uns unsere moralischen Werte und Normen davon abhalten sollten – wir tun es trotzdem. Und zwar, weil wir dazu neigen, Differenzen zwischen Wunschvorstellungen und gegebener Realität zu unseren Gunsten zu verbessern, so Meyer. Es ist für uns von Vorteil, uns besser, schlauer und schöner darzustellen. „Lügen hat für unsere Spezies evolutionäre Bedeutung. Forscher wissen es schon lange: Je intelligenter eine Spezies und je grösser ihr Neocortex, umso wahrscheinlicher handelt sie auch betrügerisch.“ 

Offen gesagt, das ist gelogen. 

Besonders im Job sind wir sozialen Gefügen, Hierarchien und Abhängigkeitsverhältnissen ausgesetzt, in denen Täuschungen Vorteile verschaffen könnten, wenn sie nicht als solche entlarvt werden. Vielleicht lügen wir deshalb in Teams deutlich häufiger. Laut Meyer erkennen wir durchschnittlich 54 Prozent der Lügen. Wir können uns aber durch kleine Beobachtungstricks auf eine Rate von 90 Prozent steigern: Denn die Autorin ist sich sicher, dass wir alle dieselben Anzeichen bei unseren Lügengeschichten zeigen – und damit eigentlich leicht zu überführen sind. 

 

Sie unterscheidet dabei zwischen verbalen und nonverbalen Anzeichen. Benutzt dein Kollege Formulierungen wie „offen gesagt“, „in Wahrheit“ oder ähnliche Umschreibungen, kann dies ein erster Hinweis darauf sein, dass er mit dieser Überkompensation versucht, das Offensichtliche zu verbergen: Nämlich, dass er genau das Gegenteil tut. Auch wenn dein Gegenüber Verneinungen überbetont, oder auf die formelle statt informelle Ausdrucksweise zurückgreift, solltest du bei seinen Erzählungen genauer hinhören. Ebenso distanzieren sich Lügner unbewusst von den Dingen, über die sie Falschaussagen treffen, neigen zu Wiederholungen oder zu vielen Details in einer Geschichte. 

Dein Körper lügt auch ohne Worte. 

Gleichzeitig räumt Meyer mit einigen Mythen auf: Anders als Klischees vermuten lassen, zappeln Lügner nicht unbedingt unruhig hin und her oder vermeiden Augenkontakt. Im Gegenteil: Eher neigen sie dazu, ihren Oberkörper ganz still zu halten und intensiven Blickkontakt zu suchen – gerade, weil sie diesem Mythos entgegenwirken wollen. Ein bereits sehr bekanntes Anzeichen bleibt allerdings: Das falsche Lächeln. Denn egal wie sehr wir uns anstrengen, ein wahres Lächeln zeichnet sich nicht durch eine zusammengezogene Wangenmuskulatur aus. Letztendlich verraten die Augen, ob wir unser Grinsen ernst meinen. 

 

Triffst du in deinem Berufsleben auf einen ehrlichen Kollegen, werden sie in der Regel kooperativer, aufgeschlossener und begeisterungsfähiger sein. Lügner verraten sich durch Ambivalenzen zwischen verbalen und nonverbalen Signalen. Denn laut Meyer können wir unsere Worte noch so oft üben, unsere Gesten haben wir dabei nur selten unter Kontrolle. „Wir sagen ‚Ja‘, während wir den Kopf schütteln. Wir erzählen überzeugende Geschichten, und zucken die Schultern. Wir begehen fürchterliche Verbrechen und lächeln froh, wenn wir damit durchkommen.“ 

 

Betrügerische Menschen schauen laut Meyer eher nach unten, wirken zurückhaltend und senken ihre Stimmen. Aber Achtung, nicht jede Bewegung oder Handlung ist ein klares Indiz für einen Lügner. Schliesslich kann Zurückhaltung auch einfach ein introvertierter Charakterzug sein. Es ist daher wichtig, immer die Dinge als gesamtheitliches und wiederkehrendes Muster zu betrachten. „Sie sind kein Beleg für Täuschung. Sie sind Warnsignale. Wir sind Menschen. Wir machen den ganzen Tag über verräterische Gesten. An und für sich haben sie keine Bedeutung. Aber wenn sie gehäuft vorkommen, ist das ihr Signal.“

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